Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Kreisverband Wolfsburg e. V.

6. GMR Gemütliche Männerrunde auf Heimatforschung

Mal wieder auf den Spuren der ehemaligen Schuntertalbahn. Radtour vom VW-Bad zu den Hattorfer Teichen, weiter nach Ehmen und Fallersleben, wo die Tour auch endete.

6. GMR - Sie haben es wieder getan.…
Vor längerer Zeit hatten sich schonmal Geschichtsinteressierte aufgemacht, um nach Spuren der ehemaligen Schuntertalbahn zu suchen. Erforscht wurde damals der Abschnitt Lehre-Ehmen, diesmal machten sich im Rahmen der "6. Gemütlichen Männerrunde" die TN auf, um den Abschnitt Ehmen-Fallersleben unter die Lupe zu nehmen. Bei der Vorbereitung auf diese Tour wurde klar, dass man manche Dinge vor Ort besser erklären kann, anhand von alten Fotos, Skizzen und Kartenausschnitten. Material dafür war genügend vorhanden und  so ging es in geselliger Runde los.

Vom VW-Bad aus ging es bei noch frischen Temperaturen, der Herbst ließ schonmal grüßen, durch das Hasselbachtal Richtung Süden, vorbei am alten Karpfenteich, der Käfertränke und den Hattorfer Teichen. Eine kurze Strecke entlang der Landstraße brachte wieder Verkehrslärm an die Ohren, der legte sich, als die Autobahn unterquert wurde. Die Gärtnerei Lieven ließen wir links liegen und dann, entlang der Mühlenriede Richtung Ehmen, kehrte wieder Ruhe ein. Inzwischen hatte sich auch der 7. TN zu uns gesellt. Südlich von Ehmen ging es dann ins Hohnstedter Holz bis zur Infotafel, die Aufschluss über die Geschichte dieses Gebietes gab. Auf der Karte gab es einige Sichtungspunkte und Erklärungen dazu. 

Holzverladung an der Schuntertalbahn
Der Punkt 6 "Alter Bahnhof" (s. Karte oben) irritierte zunächst, denn gemeint ist eigentlich ein Haltepunkt an der ehemaligen Schuntertalbahn, eine Holzverladestelle. Nach ein paar Metern waren wir dort angekommen, Reste von diesem Haltepunkt kann man vom Weg aus allerdings nur erahnen. Ein kleiner Marsch durchs Unterholz, was in diesem Fall wegen der Trockenheit möglich war, sonst ist es dort eher sumpfig, brachte etwas mehr zum Vorschein. Im Unterholz stehend, kann man doch noch sehr gut erahnen, wie der Aufbau mal war.

Die Annahme ist, dass Rückepferde die Holzstämme auf den Bahnsteig zogen, von wo sie dann auf den bereitstehenden Rungenwagen zum Holztransport verladen wurden. Eventuell nutzten die Waldarbeiter weitere Hilfsmittel  wie z.B. Flaschenzüge, Handkräne o.ä.

Alter Bahndamm
Nach dieser kleinen Exkursion ins Unterholz, ging es dann weiter auf gut befahrbaren Wegen, die teilweise genau auf der alten Trasse der Schuntertalbahn entlang führen, hinunter zum "Alten Bahndamm". Alte Fotos, mit KI aufgefrischt, zeigen den Orginal-Zustand der ehemaligen Brücke um 1940 herum, die damals den hochliegenden Bahndamm mit dem Ort Ehmen verband. Was heute noch steht, ist der nördliche Brückenkopf, der südliche Brückenkopf wurde beim Wiederaufbau bzw. der Erneuerung des Bahndamms abgerissen. 
Oberhalb sieht man dann das erste der Häuser, die auf der Trasse der alten Eisenbahn gebaut wurden, als die Bahnstrecke stillgelegt wurde.

Ein TN erzählte:
"Auf dem Gelände nördlich des verbliebenen Brückenkopfes befindet sich die Villa des 2011 verstorbenen Filmsammlers Wolfgang Schneider. Die Sammlung umfasste etwa 1000 Kinofilme von der Stummfilmzeit bis in die 70er Jahre, sowie etwa 1000 Kurzfilme und Wochenschauen. Im Keller des Hauses war ein perfektes Kino eingerichtet, mit zwei großen 35-mm-Projektoren und einem 16-mm-Projektor. Regelmäßig wurden Filmabende mit Freunden und Verwandten abgehalten, wobei oft absolute Raritäten zu sehen waren. So ein Kinofilm bestand meist aus 6 großen Filmrollen in einem schwarzen Pappkarton und wog etwa 20 kg. Nach dem Tod von Schneider ging die Sammlung nach langer Suche schließlich ans Medienarchiv Bielefeld." 
Hier ist ein Beitrag des Medienarchivs Bielefeld zur Sammlung Wolfgang Schneider: 

zum Medienarchiv

Ehemalige Ehmer Bahnhöfe
Die Fahrt ging weiter zum tatsächlichen Bahnhof Ehmen Mitte, unterwegs erzählte ein anderer TN, der auf der alten Trasse damals sein Haus gebaut hat, wie er bei den Erdarbeiten noch Reste der alten Bahntrasse vorgefunden hat. Am alten Bahnhof angekommen, wurde unsere Gruppe aufmerksam beäugt und eine ältere Dame sprach uns dann auch an. Wie sich herausstellte, sind sie und ihre Familie, die ersten Privatbesitzer von dem alten Bahnhofsgebäude. Sie erzählte uns auch, dass durch umfangreiche Renovierungsmaßnahmen, das Gebäude zu einem gemütlichen Zuhause gemacht werden konnte, denn Auflagen wegen Denkmalschutz gab es nicht. 

Es war übrigens nicht der einzige Ehmer Bahnhof, denn ab 1941 fuhren auf der alten Trasse durch das Hohnstedter Holz nur noch Güterzüge, der Personenverkehr führte ab 1941 über den neuen Streckenabschnitt, westlich an Ehmen vorbei nach Fallersleben. Auch Güterzüge konnten dadurch an Fallersleben vorbei, direkt ins im Aufbau befindliche Volkswagenwerk fahren. An der Strecke gab es dann einen 2. Bahnhof, namentlich Ehmen West, dort war ab 1942 der Zustieg für Bahnreisende. Der Bahnhof Ehmen West existiert inzwischen nicht mehr, er wurde im Rahmen des zweigleisigen Ausbaus der Weddeler Schleife und Erneuerung von Brücken (2024/25) abgerissen.

Park & Eat oder Pause muss sein

Nach einer ausgiebigen Kaffepause und kurzem Austausch über ein anderes Industriemerkmal in Ehmen, dem ehemaligen Kaliwerk (Stilllegung 1925), ging es weiter Richtung Kerksiek nach Fallersleben. 

Geländemerkmale der alten Trasse
Ein Geländemerkmal der alten Trasse ist heute meistens dichter Heckenbewuchs, den man unterwegs teilweise noch erkennen kann, noch besser ist der Trassenverlauf dadurch auf Satellitenbildern zu erkennen. Ein TN war ganz erstaunt, als er bemerkte, dass die Karte auf seinem GPS-Gerät auch den Verlauf der Schuntertalbahn zeigte. (Karte von Open Street Map) Kurz vor Fallersleben sind auch noch andere Geländemerkmale vorhanden, die noch sehr gut zeigen, wie die Eisenbahn hier zwischen Mörse und Fallersleben die B 248 gekreuzt hat. Weiter ging es nach Osten abknickend durch das südliche Wohnviertel von Fallersleben, über den Glockenberg und das Umspannwerk in Sichtweite, überquerten wir die Erich-Netzeband Straße. Zur Orientierung wurde dort nochmal, anhand von Luftaufnahmen und Kartenausschnitten, der damalige Trassenverlauf nachvollzogen. Zweimal kreuzt die heutige Autobahn den alten Verlauf, bis dann mit einem Schwenk die Züge von Osten nach Fallersleben einfuhren. (s. Karten unten) 

Zielbahnhof
Für uns ging es parallel zur Autobahn weiter auf einem Feldweg runter bis zur Wolfsburger Landstraße.  Ein paar Meter nach Fallersleben rein und die Straße überquert, haben wir nach kurzer Fahrt dann unseren Endpunkt der Tour erreicht. 

Das Ziel dort war der Standort des ehemaligen Bahnhofs der Braunschweigischen Landes-Eisenbahn (BLE), der extra für den Zugverkehr der Schuntertalbahn errichtet wurde und damit zum 2. Bahnhof in Fallersleben wurde. Alle aus der Gruppe fragten sich, wo denn dort der Bahnhof gewesen sein soll, aber weitere Fotos gaben Aufschluss darüber. 

Von dem ehemaligen Bahnhof kann man nur noch das Fundament bzw. den Sockel erkennen, denn der blieb beim Abriss stehen und darauf wurde ein neues Gebäude errichtet. Folgendes Bild zeigt den Vergleich eines alten mit einem neuen Foto und lässt das sehr gut erkennen. 

An der Stelle endete die Tour, garniert mit Informationen zur ehemaligen Schuntertalbahn, Randthemen waren das Tanklager und das Kaliwerk in Ehmen. Nicht alle alten Fotos und Kartenausschnitte, die unterwegs rumgereicht wurden, können hier an dieser Stelle gezeigt werden. Wer Interesse daran hat, wendet sich an Anfred Ohland, der gerne Auskunft gibt und über sein Hobby "Heimatforschung" berichtet.

 E-Mail an Manfred Ohland

https://wolfsburg.adfc.de/neuigkeit/6-gmr-schuntertalbahn-1

Bleiben Sie in Kontakt