Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Kreisverband Wolfsburg e. V.

Männertour mit Grenzerfahrung

Zum zweiten Mal startete die "Gemütliche Männerrunde", diesmal auf den Spuren der historischen Bahnstrecke (Braunschweig) Schandelah-Oebisfelde.

Gemütliche Männertour mit Grenzerfahrung - Ein Tourbericht von Manfred O.

Die ADFC-Tourguides haben gerufen und 12 gestandene Mannsbilder folgten dem Ruf und ihrem inneren Freiheitsdrang. Es galt am Etappenziel die Hügel der Velpker Schweiz zu erklimmen, um dort nach den Resten alter Bahngleise oder anderen Relikten Ausschau zu halten. Zum zweiten Mal startete also die "Gemütliche Männerrunde" per Fahrrad,  die Fahrt führte wieder überwiegend über ruhige Feldwege und kleinere Nebenstraßen. Immer wieder legten wir Pausen ein, um die Natur mit Wald und Wasser zu genießen und historische Spuren zu erkunden. Alte Bahngleise und Brücken konnten wir sehen, Bahnübergänge  und den alten Velpker Bahnhof konnte man nur noch erahnen.  Auf dem Rückweg kehrten wir noch beim Heidebäcker in Danndorf ein. Nach dieser doch „harten Männertour“ hatten wir uns Kaffee und Kuchen auch verdient.  

Auch diese Tour hat wieder gezeigt, wie spannend und bewegend es sein kann, Geschichte aktiv zu erfahren, auf zwei Rädern, in guter Gesellschaft und bei bestem Wetter. Die Tour hat uns auf 32 Km nicht nur durch schöne Landschaften, sondern auch durch vergangene Zeiten geführt.

Schön das wir uns durch Feldforschung, sichtbare Spuren und einige Erklärungen nochmal erinnern konnten.

Fürs Bocciaspiel blieb wieder keine Zeit, na ja….vielleicht beim nächsten Mal, auf der Männertour.

Wer noch nicht lesemüde ist, kann weiter unten gerne weiterlesen und mehr Details zur Tour und noch mehr Geschichtliches erfahren
Das folgende Kartenbild sollte man sich etwas einprägen, die Bedeutung wird im Textverlauf erklärt.

Der Weg führte uns bei dieser Tour über Nordsteimke und Hehlingen zum Hehlinger Holz, dort am schattigen Waldrand bei einer kleinen Pause, gabs von Manfred das erste Mal auf dieser Tour was auf die Ohren für Geschichtsinteressierte. Denn unsere Region hat eine wechselvolle Geschichte, auch wenn es um Ländergrenzen geht. Es trafen eine lange Zeit die 3 Länder, Herzogthum Braunschweig, die preussische Provinz Sachsen, und die preussische Provinz Hannover (vor 1866 Königreich Hannover) in unserer Region aufeinander. Außerdem lagen in unserer Region mit dem Gutsbezirk Wolfsburg, dem Schloss Wolfsburg und auch dem Dorf Hehlingen 2 preussische Enklaven, umringt von welfischem Gebiet. Also eine Menge Grenzen um uns herum, da war bei dieser Tour eine „Grenzerfahrung“ nicht zu vermeiden. Das Kartenbild in der Bildergalerie verdeutlicht das und auf dem kleineren Ausschnitt, auf der Karte rechts oben, ist auch unsere Fahrstrecke (rote Linie) angedeutet. Damit ist klar, dass wir am VW-Bad gerade noch so auf hannoverschem Gebiet starteten, auf dem Weg nach Nordsteimke bereits das 1. Mal die Grenze zum damaligen Land Braunschweig überquerten und auch einige Km braunschweigisches Gebiet durchfuhren. Kurz vor Hehlingen überquerten wir dann die ehemalige Grenze zu Preußen und fuhren auch einige Km auf preussischem Territorium. Aus dem Wald kommend überfuhren wir dann zum 2. Mal die ehemalige Grenze zum Land Braunschweig.  Beim Hinausfahren aus dem Hehlinger Holz war Velpke in Sichtweite und beim nächsten kleinen Stopp hatten wir  schon die alte Bahntrasse erreicht, wobei noch nicht viel zu sehen war, aber erahnen konnte man es schon.

Kleiner Einschub zur Motivation den Bau der Nebenbahn voranzutreiben
Wenn der Bau einer Eisenbahnstrecke über Ländergrenzen hinweg vollzogen werden musste, wurde verhandelt, verschiedene Interessenlagen ausgelotet und am Ende festgelegt, wer die Sache bezahlt. Im Fall der Hasenwinkelbahn war es Preußen, denn wer bestellt, bezahlt, das war schon immer so. Braunschweig nahm es dankend an. Denn Preußen hatte hohes Interesse, von der Berlin-Lehrter Eisenbahnstrecke abzuzweigen und möglichst auf kurzem Weg Braunschweig zu erreichen. Die Braunschweiger hatten bereits eine Verbindung nach Magdeburg und konnten von dort aus Berlin erreichen, deswegen war das Interesse am Bau dieser Eisenbahnstrecke, auf Braunschweiger Seite, nicht so groß.

Weiter auf der Tour
Nach dem ersten Kontakt mit der alten Bahntrasse ging unsere Tour weiter in den Ort hinein zum ehemaligen Velpker Bahnhofsgebäude, Manfred hatte zwar alte Fotos dabei, trotzdem war die Orientierung erstnmal nicht so einfach, aber nach gemeinsamen Austausch war man sich einig, das alte Bahnhofsgebäude gefunden zu haben, auch wenn es heute doch schon durch einige Umbauten etwas anders aussah als früher.  Damit war aber auch klar, wo die ehemalige Bahntrasse weiter führte, so fuhren wir dort entlang, tauchten in den Wald ein und bald kamen auch die ersten alten Gleisreste zum Vorschein, allerdings schon sehr durchwachsen mit Gestrüpp und teilweise auch Bäumen. An einer schönen freien Stelle, mit Blick auf alte Bahngleise und andererseits auch aufs grünschimmernde Wasser vom Kiesteich, machten wir eine weitere Picknickpause. Fritz kredenzte sogar noch etwas Kuchen, die Reste vom gestrigen ADFC-Sommerfest.

Hinter Velpke,  nah bei Oebisfelde wurde es nochmal richtig spannend, da die Gruppe eindrucksvoll mit den Spuren der ehemaligen innerdeutschen Grenze und den Konsequenzen für den Eisenbahnverkehr konfrontiert wurde. 

Hier erklärte Manfred, dass Züge auf der ehemalige Hasenwinkelbahn aus Braunschweig/Schandelah kommend, nach Schließung der Zonengrenze, lange Zeit nur erstmal bis zum Velpker Bahnhof fuhren und dann wieder zurückfahren mussten. 1953 wurde dann die Fahrstrecke wieder etwas verlängert, weil näher an Oebisfelde ran nochmal ein weiterer Haltepunkt eingerichtet wurde, allerdings mussten die Züge auch von dort aus wieder zurückfahren. 1955 kam die alte Hasenwinkelbahn doch nochmal zu altem Glanz. Es wurden neue Gleise verlegt und eine Verbindungskurve zur Berlin-Lehrter Eisenbahnstrecke geschaffen. (s. Titelbild) Mit dieser neuen Anbindung war dann für ein paar Jahre eine Rundfahrt möglich, von Braunschweig über Schandelah-Neindorf-Velpke-Vorsfelde-Wolfsburg-Fallersleben und von dort auf der Schuntertalbahn über Lehre zurück nach Braunschweig. Die Schuntertalbahn ist aber eine andere Geschichte.

Diese Radtour bot eine eindringliche Grenzerfahrung, nicht nur geografisch, sondern auch historisch: Orte, die einst durch die Grenzschließung voneinander abgeschnitten waren, zeugen noch heute von den tiefen Einschnitten in die regionale Infrastruktur und das tägliche Leben der Menschen. Denn zu der Zeit waren viele auf die Eisenbahn und den Zugverkehr angewiesen. Heute haben die meisten Menschen ein Auto, auch weil die Bahn nicht immer ein gutes Vorankommen ermöglicht.

Wer weiß, vielleicht wird ja in Zukunft auch in unserer Region manch eine alte Bahntrasse nochmal reaktiviert oder eine neue Nebenbahn gebaut. Die Schuntertalbahn wird’s wahrscheinlich nicht, denn hier gibt es inzwischen mit der ausgebauten Weddeler Schleife ein guten Ersatz. Auch die Hasenwinkelbahn wird wohl kein Revival erleben, der Verfall wird weitergehen und die Natur macht den Rest.

Schön das wir uns durch Feldforschung, sichtbare Spuren und einige Erklärungen nochmal erinnern konnten.

Nachtrag des Autors

Ich habe mich einige Tage später nochmal auf den Weg gemacht, weil ich neugierig war, ob es noch mehr alte Spuren zu entdecken gab. Das war dann teilweise allerdings keine gemütliche Tour per Rad mehr, sondern ein steiniger Weg auf einer alten Bahntrasse. Da an diesen Stellen bis 1995 ab und zu nochmal ein Güterzug lang rollte, war noch nicht alles verwildert und zugewachsen wie an anderen Stellen. Die zusätzlichen Fotos belegen das, damit hat sich der zusätzliche Weg doch gelohnt. 

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